Für welche Branchen die Sofortmeldung nach § 28a Abs. 4 SGB IV gilt, welche Frist zu beachten ist und welche Bußgelder bei Verstößen drohen.
Die Sofortmeldung gehört zu den strengsten Meldepflichten der Entgeltabrechnung: Anders als die reguläre Anmeldung zur Sozialversicherung, für die sechs Wochen Zeit bleiben, muss sie vor oder spätestens im Moment der Arbeitsaufnahme vorliegen. Betroffen sind ausschließlich Arbeitgeber in gesetzlich festgelegten, als schwarzarbeitsanfällig eingestuften Branchen. Wer die Frist versäumt, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern läuft Gefahr, dass die Beschäftigung bei einer Kontrolle als Schwarzarbeit gewertet wird.
Definition
Die Sofortmeldung ist eine besondere, elektronische Meldung an die Datenstelle der Rentenversicherungsträger (DSRV), die Arbeitgeber in bestimmten, gesetzlich benannten Wirtschaftsbereichen bei jeder Neueinstellung zusätzlich zur regulären Anmeldung zur Sozialversicherung abgeben müssen. Sie trägt im DEÜV-Meldeverfahren den Meldegrund 20 und enthält einen bewusst reduzierten Datensatz, damit sie technisch sofort - also bereits vor Beginn der eigentlichen Beschäftigung - übermittelt werden kann.
Gemeldet werden müssen:
- Familienname und Vorname des Beschäftigten
- Versicherungsnummer (falls noch nicht bekannt: Geburtsdatum, Geburtsort und Anschrift)
- Betriebsnummer des Arbeitgebers
- Tag des Beschäftigungsbeginns
Die Sofortmeldung ersetzt nicht die reguläre Anmeldung zur Sozialversicherung (Meldegrund 10, Frist: sechs Wochen nach Beschäftigungsbeginn, Empfänger: die zuständige Krankenkasse). Beide Meldungen sind unabhängig voneinander und zusätzlich zueinander abzugeben.
Gesetzliche Grundlage
Rechtsgrundlage der Sofortmeldepflicht ist § 28a Abs. 4 SGB IV in Verbindung mit § 7 DEÜV (Datenerfassungs- und -übermittlungsverordnung). Die Regelung wurde zum 1. Januar 2009 eingeführt (Wirkung ab 1. September 2009) im Zuge der Verschärfung der Schwarzarbeitsbekämpfung und ergänzt die allgemeinen Meldepflichten aus § 28a Abs. 1 SGB IV um eine branchenspezifische Sonderpflicht.
Meldepflichtige Wirtschaftsbereiche nach § 28a Abs. 4 SGB IV (in Verbindung mit § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz - SchwarzArbG):
- Baugewerbe
- Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe
- Personenbeförderungsgewerbe
- Speditions-, Transport- und damit verbundenes Logistikgewerbe
- Schausteller- und Messebaugewerbe (Auf- und Abbau von Ausstellungen und Messen)
- Gebäudereinigungsgewerbe
- Unternehmen der Forstwirtschaft
- Wach- und Sicherheitsgewerbe
- Fleischwirtschaft
- Prostitutionsgewerbe (nach dem Prostituiertenschutzgesetz)
Bei Mischbetrieben, die nur teilweise einer meldepflichtigen Branche zuzuordnen sind, entscheidet das wirtschaftliche Gepräge des Betriebs - maßgeblich ist, welcher Tätigkeitsbereich überwiegt. Bei Unsicherheiten trifft die zuständige Einzugsstelle (Krankenkasse bzw. Minijob-Zentrale) die Einzelfallentscheidung.
Ausnahmen von der Sofortmeldepflicht bestehen für gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Körperschaften im Sinne der §§ 52 ff. AO (mit entsprechender Anerkennung durch das Finanzamt) sowie für Verleihunternehmen, die nicht eindeutig einer der genannten Branchen zugeordnet werden können.
Bußgeldvorschrift: Ein Verstoß gegen die Sofortmeldepflicht ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 111 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV und kann mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Zuständig für die Verfolgung und die Kontrolle vor Ort ist die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Zoll (§ 2 SchwarzArbG). Wird die Beschäftigung bis zur verspäteten Meldung tatsächlich ausgeübt, kann der Zeitraum zusätzlich als illegale Beschäftigung/Schwarzarbeit im Sinne des SchwarzArbG bewertet werden, mit möglichen Folgewirkungen bis hin zu Beitrags- und Steuernachforderungen.
Praxisrelevanz für die Entgeltabrechnung
Für die Personalabteilung bedeutet die Sofortmeldepflicht, dass der Einstellungsprozess in meldepflichtigen Branchen anders getaktet werden muss als in nicht betroffenen Branchen: Die Meldung darf nicht erst nach der ersten Entgeltabrechnung oder im Rahmen der üblichen Sechs-Wochen-Frist der regulären Anmeldung erfolgen, sondern muss vor dem ersten Arbeitsantritt technisch abgeschlossen sein.
Drei Punkte sind in der Praxis besonders relevant:
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Betroffen sind alle Beschäftigtengruppen. Die Pflicht gilt unabhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses - auch für Minijobber, kurzfristig Beschäftigte, Aushilfen und Praktikanten, sofern eine tatsächliche Arbeitsleistung erbracht wird. Nur eine reine Betriebsbesichtigung ohne Arbeitsleistung löst keine Sofortmeldepflicht aus.
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Die Meldung kann vorgezogen werden. Es existiert keine Zu-früh-Regel: Steht der Beschäftigungsbeginn fest, kann die Sofortmeldung bereits Tage vorher übermittelt werden - etwa am Freitag vor einem Montagsstart. Wird die Beschäftigung doch nicht angetreten oder ändern sich die Daten, muss die Meldung storniert und korrekt erneut abgegeben werden.
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Kontrollen erfolgen unangemeldet vor Ort. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit gleicht bei Baustellen-, Gaststätten- oder Reinigungskontrollen die angetroffenen Personen unmittelbar mit den bei der DSRV vorliegenden Sofortmeldungen ab. Fehlt die Meldung für eine angetroffene Person, wird regelmäßig ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet - unabhängig davon, ob die verspätete Meldung auf ein Versehen zurückzuführen ist.
Für Betriebe, die durch Nachunternehmerketten oder Fremdpersonal (z. B. Werkverträge im Baugewerbe) arbeiten, empfiehlt sich zudem eine vertragliche Klarstellung, welche Partei für die Sofortmeldung des jeweils eingesetzten Personals verantwortlich ist.
Praxisbeispiel
Ein Gebäudereinigungsunternehmen stellt zum 1. eines Monats eine neue Reinigungskraft für ein Bürogebäude ein. Der Arbeitsvertrag wird eine Woche vorher unterschrieben, der erste Einsatz beginnt am 1. um 6:00 Uhr morgens.
Richtig: Die Personalabteilung übermittelt die Sofortmeldung mit Meldegrund 20 bereits am Freitag vor dem Wochenende - also vor dem tatsächlichen Arbeitsbeginn. Parallel wird die reguläre Anmeldung (Meldegrund 10) vorbereitet und fristgerecht innerhalb von sechs Wochen abgegeben.
Falsch: Die Sofortmeldung wird erst am 1. im Laufe des Vormittags übermittelt, nachdem die Unterlagen der neuen Mitarbeiterin bei der Lohnbuchhaltung eingegangen sind. Zu diesem Zeitpunkt hat die Reinigungskraft bereits seit 6:00 Uhr gearbeitet - die Frist ist bereits überschritten, selbst wenn die Meldung noch am selben Tag nachgeholt wird. Bei einer Kontrolle durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit in diesem Zeitfenster gilt die Beschäftigung bis zum Eingang der Meldung als nicht ordnungsgemäß angemeldet.
Typische Fehler in der Praxis
- Die Sofortmeldung wird mit der regulären Anmeldung zur Sozialversicherung verwechselt und nur einmal (mit Meldegrund 10) abgegeben
- Die Meldung wird erst nach Erhalt der vollständigen Personalunterlagen und damit faktisch nach Arbeitsbeginn übermittelt
- Bei Minijobbern, kurzfristig Beschäftigten oder Aushilfen wird die Sofortmeldepflicht übersehen, da sie fälschlich nur für normale Arbeitsverhältnisse angenommen wird
- Bei Mischbetrieben wird die Zuordnung zu einer meldepflichtigen Branche nicht geprüft, obwohl die überwiegende Tätigkeit dies erfordern würde
- Fremdpersonal aus Werkverträgen oder Subunternehmerketten wird gar nicht gemeldet, weil unklar bleibt, wer für die Sofortmeldung verantwortlich ist
- Eine stornierte oder fehlerhafte Sofortmeldung wird nicht korrigiert erneut übermittelt
Checkliste: Was Arbeitgeber beachten sollten
Prüfen, ob der Betrieb (ganz oder überwiegend) einer der in § 28a Abs. 4 SGB IV genannten meldepflichtigen Branchen zuzuordnen ist
Sofortmeldung für jede neue Beschäftigung - einschließlich Minijob, kurzfristiger Beschäftigung und Aushilfstätigkeit - spätestens bis zum tatsächlichen Arbeitsbeginn übermitteln
Sofortmeldung so früh wie möglich vorbereiten, sobald der Beschäftigungsbeginn feststeht - es gibt keine Frist nach unten
Zusätzlich zur Sofortmeldung fristgerecht die reguläre Anmeldung zur Sozialversicherung (Meldegrund 10) innerhalb von sechs Wochen abgeben
Bei Fremdpersonal aus Werkverträgen oder Subunternehmerketten vertraglich klären, wer die Sofortmeldung abgibt
Bei fehlerhaften Angaben oder abgesagtem Beschäftigungsbeginn die Sofortmeldung unverzüglich stornieren und korrekt erneut abgeben
